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Vor genau 365 Tagen wurde zum ersten Mal ein nackter warmer zarter Wicht – das schönste Geschenk – nach einer anstrengenden Nacht, auf meine Brust gebettet. Zum ersten Mal bekam das Wort Papa etwas Konkretes, Greifbares. Und heute hat sich Mika auf seiner Geburtstagsparty zum ersten Mal überwunden, seine ersten eigenen Schritte in dieser Welt zu gehen. Wackelig wie ein Matrose auf Landgang, aber vor allem ein Eroberer und Forscher. Stifte aus der Schachtel räumen und wieder hinein. Das Saugrohr vom Staubsauger, wie eine Trophäe durch die Wohnung schleifen – je schwerer die Beute, desto besser. Auf dem Weg zum Fernseher zurückgerufen werden. Beleidigt sein und dann, mit sarkastischem Unterton, unser „Nein“, mit dem erhobenen Zeigefinger, imitieren. Das und noch viele andere amüsante Eskapaden liefert Mika nur ein Jahr später.
Unser Leben ist ganz schön durcheinandergewirbelt worden in diesen 12 Monaten. Biggi und ich haben uns in neuen Rollen kennen und noch mehr, oder vielleicht auch einfach nur anders, lieben gelernt. Die Verantwortung schweißt zusammen. Man braucht einander auch ganz einfach viel mehr. Und wir sitzen abends zusammen und rekapitulieren die letzten Aktionen unseres Prachtsohnes, der jeden Tag etwas Neues dazuzulernen scheint. Erinnern uns an die ersten Wochen und was uns bisher schon alles Schönes wiederfahren ist.
Und auch auf der Arbeit funktioniert alles wie es soll – manchmal sogar besser. Jetzt habe ich erst Mal Unterschlupf beim SWR gefunden. Bei der Kultur bin ich gelandet. In der Welt der langen Dokumentationen. Seit drei Tagen bin ich dabei und schon jetzt großer Fan meines neuen Berufsalltags. Und ihr würdet es gar nicht glauben, wie viel geiler Scheiß sich im TV-Dschungel tummelt. Mit Mehrwert und Anspruch.
Mit etwas Glück darf ich auch bald immer wieder die Hörfunknachrichten präsentieren und mein Organ über den Äther pusten. Das wäre ein netter Zeitvertreib und eine gute Sache für den Geldbeutel.
Aber das Wichtigste ist, dass wir uns jetzt in Baden-Baden einrichten können. Hier fällt es uns am leichtesten, das Familienleben angemessen zu zelebrieren. In diesen Gassen kann man gut Groß werden.
Es ist ein schönes Gefühl angekommen zu sein. Ist ja auch nicht immer leicht, das alles zu akzeptieren und sich mit diesem neuen Leben zurechtzufinden. Aber wir schlagen uns tapfer. Sind beide stolz und froh Teil dieser kleinen Familie zu sein und genießen das Elterndasein in vollen Zügen – kann man nur empfehlen.
Ich bin froh, dass ich weiß das Mika bei Biggi in guten Händen ist. Sie wächst über sich hinaus und bietet meinem Sohn alles was er braucht und vor allem eine riesige Portion Liebe. Genieße es die beiden gemeinsam zu sehen. Wenn Biggi Mika tröstet oder zum Lachen bringt (was allerdings keine großer Herausforderung ist), sie nebeneinander eingeschlafen sind oder einfach nicht mitbekommen, dass sie gerade beobachtet werden.
Das Leben ist gut zu uns und wir wünschen uns sehr, dass es das auch bleibt.











